ZENIT SONNTAGLieber Leser Hundert Millionen. So viele Menschen loggen sich täglich ein, um Pornos zu schauen. Auf einer einzigen Seite wurden im Jahr 2018 fast fünf Millionen Videos hochgeladen. Ein neues Video alle sechzig Sekunden. Wenn Du heute anfangen würdest, Dir jedes Video auf dieser Seite anzuschauen – ohne Pause, ohne Schlaf, ohne Wiederholung – wärst Du hundertfünfzehn Jahre beschäftigt. Und hier ist die Zahl, die mich wirklich aufgeweckt hat: Vor zwanzig, dreissig Jahren hatten fünf Prozent der Männer unter dreissig Erektionsprobleme. Heute sind es zwanzig Prozent. Vervierfacht. Bei jungen Männern. Das ist keine Alterserscheinung. Das ist etwas anderes. Was Pornografie mit Deinem Gehirn machtUm zu verstehen, warum Pornos so ein Problem sind, musst Du zuerst Dopamin verstehen. Die meisten Leute denken, Dopamin macht glücklich. In Wahrheit ist Dopamin der Antrieb, etwas zu suchen. Es ist Motivation, Verlangen, die Energie, die Dich in Bewegung setzt. Andrew Huberman erklärt es so: Dopamin ist Teil des Katecholamin-Systems – zusammen mit Adrenalin und Noradrenalin. Diese drei Stoffe haben Menschen seit hunderttausenden von Jahren dazu gebracht, nach Nahrung, Schutz und Partnern zu suchen. Dopamin wird für die Jagd eingesetzt, nicht für die Beute. Dein Gehirn belohnt das Suchen, nicht das Finden. Anna Lembke, Suchtforscherin an der Stanford University und Autorin von “Dopamine Nation”, beschreibt es mit einem Wippen-Modell. Auf der einen Seite Vergnügen, auf der anderen Seite Schmerz. Wenn Du etwas Stimulierendes tust – Pornos schauen, Zucker essen, Kokain nehmen – kippt die Wippe Richtung Vergnügen. Dopamin schiesst hoch. Aber Dein Gehirn will Gleichgewicht. Also kippt die Wippe danach in die andere Richtung. Unter die Baseline. Du fühlst Dich leer, antriebslos, unzufrieden. Und was machst Du? Du suchst den nächsten Kick, um die Wippe wieder hochzukriegen. Je öfter Du das machst, desto weniger reagiert Dein Gehirn. Huberman beschreibt es wie ein Wellenpool: Wenn Du alles auf Maximum drückst, fühlst Du Dich danach ausgelaugt und unterstimuliert. Du brauchst noch mehr Energie, um denselben Output zu erreichen. Die Peaks werden kleiner, die Täler tiefer. Das ist Toleranzentwicklung. Genau dasselbe passiert bei Drogensucht. Dr. Donald Hilton, Neurochirurg und ehemaliger Chairman der Psychiatrie- und Neurowissenschaftsforschung an der UT Southwestern in Dallas, hat das in Hirnscans sichtbar gemacht. Er bezieht sich auf eine Studie von Dr. Eric Nestler aus dem Jahr 2005, veröffentlicht in Nature Neuroscience, mit dem Titel “Is There a Common Pathway for Addiction”. Nestler hat gezeigt: Es gibt einen gemeinsamen Suchtpfad im Gehirn. Kokain, Methamphetamin und natürliche Belohnungen wie Essen und Sex – sie alle nutzen denselben Weg: das mesolimbische Dopaminsystem. Und dieser Weg kann gekapert werden. Was passiert konkret? Dopamin wird im Mittelhirn produziert – in der VTA, der ventralen tegmentalen Area, und der Substantia Nigra. Von dort sendet es Signale an den Nucleus Accumbens, das Belohnungszentrum. Wenn Du süchtig wirst, schrumpfen die Dopaminzellen physisch. Dein Gehirn produziert weniger Dopamin als Schutzmechanismus. Gleichzeitig hat die empfangende Zelle weniger Rezeptoren. Stell Dir vor, Du hast zehn Briefkästen, aber nur noch drei funktionieren. Du brauchst jetzt viel mehr Post, damit überhaupt etwas ankommt. Das ist Dopamin-Downregulation. Dazu passiert etwas mit Deinem Frontallappen. Der Bereich hinter Deiner Stirn, der für Impulskontrolle zuständig ist. Der Teil, der sagt: Warte, denk nach, mach das nicht. Bei Süchtigen schrumpft dieser Bereich. Physisch und funktionell. Hilton beschreibt es so: Bei einer normalen Person gibt es einen inneren Dialog – tu es, tu es nicht, warte. Bei jemandem mit Sucht verschiebt sich diese Entscheidung Richtung sofortige Befriedigung. Die Bremse funktioniert nicht mehr richtig. Hilton und sein Kollege Clark Watts haben 2011 eine Studie durchgeführt und gezeigt: Die Hirnaktivität bei Kokainsucht war identisch mit der Hirnaktivität bei Pornosucht. Identisch. Nicht ähnlich. Identisch. Dr. Pam Peeke, Suchtforscherin, hat in ihrem TEDx-Talk ein Experiment beschrieben: Ratten, denen Morphin und Kokain injiziert wurde, bevorzugten Oreo-Kekse. Die Oreos verursachten schlimmere Genveränderungen als beide Drogen. Die Ratten rissen die Kekse auseinander, um an die Füllung zu kommen. Wenn ein verarbeiteter Keks das mit einem Rattengehirn macht – was macht dann ein endloser Strom von hyper-stimulierendem Videomaterial mit einem Menschengehirn? Das alles wird verschärft durch einen Faktor, der selten diskutiert wird: Alter. Huberman zitiert die Forschung von Hubel und Wiesel – zwei Nobelpreisträger. Bis zum Alter von etwa fünfundzwanzig ist das Gehirn extrem plastisch. Es wird ständig geformt durch Erfahrung. Wenn Du als Teenager anfängst, Pornos zu schauen – und die Mehrheit kommt heute vor der Pubertät zum ersten Mal damit in Berührung – dann programmierst Du Dein Gehirn in der Phase, in der es am formbarsten ist. Du setzt den Schwellenwert für Erregung in einer Zeit, in der der Schwellenwert langfristig eingebrannt wird. Dr. Kanojia bestätigt: Wer vor der Pubertät damit in Berührung kommt, hat ein signifikant höheres Suchtrisiko. Dr. Debra Soh, Sexologin, die ihre Dissertation über männliche sexuelle Erregung geschrieben hat, erklärt den Effekt auf Beziehungen: Wenn Du Pornos schaust, werden dieselben Gehirnregionen aktiviert wie beim echten Sex. Du bekommst den Orgasmus, die Glückshormone, die Stressreduktion – alles, ohne das Haus zu verlassen. Das macht Dich weniger motiviert, rauszugehen, eine Frau anzusprechen, ein Date zu organisieren. Pornokonsum ersetzt das echte Ding. Nicht weil Du es willst, sondern weil Dein Gehirn den Unterschied kaum merkt. Dr. Kanojia betont dabei einen Punkt, der oft übersehen wird: Pornografie ist in erster Linie ein Werkzeug zur emotionalen Regulation. Die meisten Leute, die Pornos schauen, sind nicht einmal erregt. Die Daten zeigen das eindeutig. Du nutzt Pornografie, um Gefühle zu betäuben. Stress, Langeweile, Einsamkeit, Angst – sexuelle Aktivität hat eine extrem starke Wirkung im Gehirn, sie überschreibt alles andere. Dein Gehirn lernt: Wenn es mir schlecht geht, gibt es einen schnellen Weg, um das abzuschalten. Kanojia beschreibt zwei Elemente, die jede Sucht gemeinsam hat: Sie gibt Vergnügen und sie nimmt Schmerz weg. Am Anfang schaust Du wegen dem Kick. Irgendwann schaust Du, um Dich zu betäuben. Und genau das ist der Moment, in dem es von einer Gewohnheit zu einer Sucht wird. Das Internet beschleunigt diesen Prozess massiv – das ständige emotionale Hin und Her auf Bildschirmen erschöpft das limbische System. Dein Gehirn wird müde vom ständigen Wechsel zwischen Erregung, Langeweile, Erregung, Betäubung. Und ein erschöpftes limbisches System greift zum stärksten verfügbaren Reiz. Warum es eskaliertGary Wilson, Autor von “Your Brain on Porn” – dem Buch, das als säkularer Goldstandard in der Forschung gilt – beschreibt den Coolidge-Effekt. Männliche Säugetiere verlieren das Interesse an einem Weibchen nach der Paarung. Aber sobald ein neues Weibchen auftaucht, startet das Verlangen sofort neu. Pornoseiten nutzen genau das aus. Endlose Sidebars, verwandte Videos, Autoplay. Dein Gehirn kriegt ständig neue Gesichter, neue Szenarien, neue Reize. Und jedes Mal feuert Dopamin. Die Industrie verkauft keine Sexualität – sie verkauft Dopamin-Spikes. Mary Harrington nennt es das Gesetz der Fap-Entropie – Huberman zitiert sie in seinem Podcast. Was auch immer Du am Anfang schaust, es wird mit der Zeit intensiver. Softcore wird zu Hardcore. Hardcore wird zu Dingen, die Du Dir vor zwei Jahren nicht vorgestellt hättest. Das ist kein moralisches Versagen. Das ist Neurochemie. Dein Gehirn braucht einen stärkeren Reiz, weil die alten nicht mehr reichen. Hilton beschreibt die Eskalation konkret: Manche Nutzer landen bei Content, den sie selbst abstossend finden – aber ihr Gehirn braucht diese Intensität, um überhaupt noch etwas zu spüren. Diese Eskalation hat messbare Konsequenzen. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2016, veröffentlicht im Journal of Communication, hat 22 Studien ausgewertet und einen signifikanten Zusammenhang zwischen Pornokonsum und sexueller Aggression gefunden. Dazu kommt eine Studie aus dem Jahr 2012, veröffentlicht im Journal of Criminal Justice: Forscher haben über 600 verurteilte Sexualstraftäter befragt. Wer bereits als Jugendlicher regelmässig Pornografie konsumierte, beging als Erwachsener schwerere Straftaten – darunter mehr Erniedrigung der Opfer. Frühe Exposition gegenüber aggressivem sexuellem Content hat eine langfristige Wirkung. Es gibt inzwischen ein Verhalten, das “Gooning” genannt wird. Männer masturbieren stundenlang, mehrere Bildschirme offen, ohne jemals zum Orgasmus zu kommen. Es geht nicht um den Abschluss. Es geht um den endlosen Dopamin-Strom des Suchens. Die Suche selbst ist die Droge geworden. Dr. Jordan Peterson bringt noch einen anderen Winkel rein. Er spricht von Superstimuli. Es gibt ein klassisches Experiment mit Stichlingen – kleinen Fischen. Männliche Stichlinge reagieren aggressiv auf einen roten Punkt am Bauch anderer Männchen. Wenn man den roten Punkt grösser und leuchtender macht – also einen Reiz erzeugt, den es in der Natur nicht gibt – reagieren die Fische noch stärker. Pornografie ist ein solcher Superstimulus für das menschliche Gehirn. Peterson sagt: Junge Männer sehen heute an einem Tag mehr hyperattraktive Frauen auf einem Bildschirm als die erfolgreichsten Männer vor hundert Jahren in ihrem ganzen Leben gesehen haben.
OnlyFans hat das Spiel nochmals verändert. Es ist nicht mehr passives Zuschauen. Die Performerin interagiert mit Dir. Sie sagt Danke. Sie macht Custom-Videos “nur für Dich”. Das aktiviert nicht nur sexuelle Schaltkreise – sondern empathische, soziale und Beziehungs-Schaltkreise. Du entwickelst eine parasoziale Beziehung. Eine künstliche emotionale Bindung zu jemandem, der Dich nicht kennt. Eine simulierte Beziehung, die Dich davon abhält, eine echte zu suchen. Huberman erklärt auch die Rolle von Prolaktin. Nach dem Orgasmus steigt Prolaktin – der Gegenspieler von Dopamin. Prolaktin macht Dich müde, antriebslos, zufrieden im negativen Sinne. Es erzeugt die Refraktärphase. Aber durch den Coolidge-Effekt – neue Reize auf dem Bildschirm – wird diese Phase verkürzt. Dein Gehirn wird dazu gebracht, den Zyklus schneller zu wiederholen. Mehr Dopamin, mehr Prolaktin, tieferes Tief, nächster Klick. Ein Kreislauf, der sich selbst beschleunigt. Huberman macht dazu eine wichtige Unterscheidung. Wenn Du Pornos schaust, lernt Dein Gehirn, sexuell erregt zu werden, indem Du anderen beim Sex zuschaust. Du bist ein Beobachter. Aber echter Sex erfordert, dass Du ein Teilnehmer bist. Das sind zwei fundamental verschiedene neurologische Lernprozesse. Dein Gehirn wird darauf trainiert, Voyeur zu sein – nicht Partner. Das ist die Erklärung für die Statistik vom Anfang. Zwanzig Prozent der Männer unter dreissig mit Erektionsproblemen. Junge Männer, deren Gehirne so konditioniert sind, dass echter Sex nicht mehr genug Dopamin auslöst. Die grössere KriseDas Pornoproblem steht nicht allein. Es ist Teil einer grösseren Krise junger Männer. Das Heiratsalter ist in den letzten Jahrzehnten von knapp 24 auf über 30 Jahre gestiegen. Fünfzig Prozent der Erwachsenen unter dreissig wohnen bei ihren Eltern. Die männliche Suizidrate ist viermal höher als die weibliche. Es gibt die männliche Sedierungshypothese. Historisch gesehen haben grosse Mengen junger, sexloser Männer zu Aufständen und Revolutionen geführt. Heute haben wir die höchsten Raten an jungen Männern ohne Sexualleben – und trotzdem keinen entsprechenden Anstieg an antisozialem Verhalten. Die Theorie: Männer werden durch Bildschirme, Videospiele und Pornos sediert. Sie haben ein Ersatzprodukt gefunden, das gerade gut genug ist, um den Antrieb zu löschen. Nicht gut genug, um glücklich zu sein. Aber gut genug, um nicht aufzustehen. Kanojia bringt es auf den Punkt: Der Grund, warum das “schlechte Zeug” so gut schmeckt, ist, dass wir in einer Welt des Überflusses leben. Als unser Gehirn sich entwickelt hat, waren kalorienreiche Nahrung und sexuelle Gelegenheiten selten. Heute ist alles sofort da. Food Delivery, Remote Work, Pornos auf jedem Smartphone. Die Last hat sich verschoben – von der Welt, die uns limitiert hat, auf uns selbst, die wir uns jetzt limitieren müssen. Selbstregulation korreliert stärker mit Langzeiterfolg als Intelligenz. Und der Zugang war noch nie so einfach. Vor dreissig Jahren musstest Du in einen Laden gehen, ein Magazin kaufen und Dich schämen. Heute ist es anonym, sofort verfügbar und kostenlos. Fünfundzwanzig Prozent aller Suchanfragen im Internet sind pornografischer Natur. Und nach COVID ist die letzte erzwungene soziale Interaktion für viele Männer weggefallen – Du kannst von zu Hause arbeiten, von zu Hause bestellen, und Deine sexuellen Bedürfnisse von zu Hause befriedigen. Die Schwelle, sich dem echten Leben zu stellen, war noch nie so hoch. Meine GeschichteIch mache das hier kurz, weil die Fakten wichtiger sind als meine Biografie. Aber Du sollst wissen, dass ich weiss, wovon ich rede. Mein erster Kontakt war als Kind. Bei einem Kindheitskumpel, der freien Internetzugang hatte. Mir war danach schlecht. Dann kam der klassische Weg – Pubertät, Neugierde, regelmässig schauen. Es wurde normal, und weil es normal war, habe ich nicht hinterfragt, was es mit mir macht. 2020 oder 2021 habe ich aufgehört. Das hat geholfen: Mehr Energie. Mehr Fokus. Mehr Antrieb, Dinge zu tun. Mein Dopamin-Baseline hat sich normalisiert. Jahre clean. Dann 2025 ein Rückfall. Und ich habe sofort gemerkt, was es mit mir macht. Seit einiger Zeit bin ich wieder clean. Der Unterschied ist real. In der Energie, im Fokus. Der Weg raus: Warum Abstinenz funktioniertHuberman sagt es direkt: Die Antwort ist schwierig, aber einfach: Abstinenz. Anna Lembke hat in ihrer klinischen Arbeit gezeigt: Die meisten Süchte und zwanghaften Verhaltensweisen können durch eine Abstinenzphase von dreissig bis sechzig Tagen durchbrochen werden. Das gilt für Drogen, Glücksspiel, Essen – und Pornografie. Warum funktioniert das? Weil Dein Gehirn Zeit braucht, um sich zu resetten. Die Dopamin-Rezeptoren müssen sich erholen. Die Wippe muss ins Gleichgewicht kommen. Hilton erklärt: Die Schrumpfung der Dopaminzellen ist reversibel. Die Rezeptoren auf den empfangenden Zellen können nachwachsen. Aber dafür muss der Reiz weg. Es gibt eine Studie, die das eindrücklich zeigt: Depressive Männer mit Alkoholsucht – keine Behandlung für die Depression, nur Abstinenz vom Alkohol. Nach vier Wochen erfüllten achtzig Prozent von ihnen nicht mehr die Kriterien für eine schwere Depression. Achtzig Prozent. Nur durch Abstinenz. Aber Willenskraft allein reicht nicht. Eli Nash erzählt in seinem TEDx-Talk eine Geschichte, die das perfekt zeigt. Er hatte ein Hornhautgeschwür am Auge. Der Arzt sagte: ernsthafte Sache. Nash machte einen Deal – mit sich selbst, mit Gott, mit dem Universum: Wenn das Geschwür heilt, schaue ich nie wieder Pornos. Tag drei: Das Geschwür war weg. Tag sieben: Er schaute wieder. Er sagt: Jedes Jahr an meinem Geburtstag habe ich mir versprochen, aufzuhören. Und jedes Jahr habe ich dieses Versprechen gebrochen. Willenskraft funktioniert nicht, weil sie das zugrunde liegende Problem nicht adressiert. Und genau deshalb ist Nash’ wichtigste Frage die richtige: Hör auf zu fragen “Warum kann ich nicht aufhören?” Fang an zu fragen “Warum greife ich danach?” Bei Nash war es der Verlust von Sicherheit als Kind. Bei anderen ist es ein Bedürfnis nach Bestätigung. Angst. Einsamkeit. Der Porno ist die Betäubung – und Heilung beginnt dort, wo Du die Ursache anschaust. Ein konkretes Tool, das Huberman empfiehlt: NSDR – Non-Sleep Deep Rest. Eine Methode, die Yoga Nidra ähnelt. Du liegst still, folgst einer geführten Entspannung und lässt Dein Nervensystem runterfahren. Forschung zeigt, dass NSDR den Dopamin-Baseline um etwa sechzig Prozent erhöhen kann. In den Basalganglien, dem Bereich, der für Handlungsinitiierung zuständig ist. Das hilft Deinem Gehirn, sich schneller zu erholen und den Antrieb wiederzufinden, während es sich vom Entzug regeneriert. Konkrete SchritteDr. Kanojia – Psychiater, Harvard-Ausbildung, sieben Jahre klösterliches Training – hat eine Technik, die er die Langeweile-Methode nennt. Wenn der Drang kommt, Pornos zu schauen, kämpfst Du nicht dagegen. Du verhandelst nicht. Du lenkst Dich nicht ab. Du setzt Dich hin und beobachtest, wie laut der Drang wird. Du drehst die Langeweile auf. Der Drang wird hochschiessen – und dann abfallen. Jedes Mal, wenn Du das machst, wird der nächste Drang etwas leiser. Und hier erklärt Kanojia einen Mechanismus, den die meisten übersehen: Der interne Konflikt selbst ist die Willenskraft. Die Leute denken, Willenskraft bedeutet, den Kampf zu gewinnen. Kanojia sagt: Willenskraft ist der Kampf. Der Teil Deines Gehirns, der Willenskraft ausübt – der anteriore cinguläre Cortex – ist derselbe Teil, der den internen Konflikt überwacht. Solange Du im Ring stehst und den Drang beobachtest, gewinnst Du. Die Sucht kann nur siegen, wenn Du den Ring verlässt. Wenn Du aufhörst hinzuschauen. Wenn Du sagst: “Ach, mach ich halt” – und dann so tust, als hättest Du noch kurz gekämpft. In Wahrheit hast Du schon aufgegeben. Bleib im Konflikt. Halte ihn aus. Die Langeweile-Methode trainiert Deine Distress-Toleranz. Du lernst, unangenehme Gefühle auszuhalten, ohne sofort zu reagieren. Eine Emotion ist Information und Motivation. Du darfst den Drang fühlen. Du musst ihm nicht folgen. Dazu kommen praktische Massnahmen: Nimm Dein Handy nicht ins Schlafzimmer. Kanojia sagt: Pornografie quetscht sich in jede Lücke Deines Tages. Und mit der Zeit vergrössert sie diese Lücken. Pack Deinen Tag voll. Von morgens bis abends. Je mehr Struktur, desto weniger verwundbar bist Du. Installiere einen Blocker auf allen Geräten. Software wie Covenant Eyes bindet einen Accountability-Partner ein – wie ein Schultertippen, das es schwerer macht, in alte Muster zu fallen. Schlaf. Mehr Schlaf hilft Deinen Dopamin-Rezeptoren, sich zu regenerieren. Eine extra Stunde kann den Unterschied machen. Sport. Regelmässige Bewegung stellt Dopamin wieder her. Besonders Krafttraining. Wenn Du Dir einen Dopamin-Kick holen willst, hol ihn Dir im Gym. Das ist ein Reiz, nach dem Du Dich besser fühlst – nicht schlechter. Ernährung. Weniger Zucker, weniger verarbeitete Lebensmittel. Zink und Magnesium sind laut dem Research zwei der wichtigsten Spurenelemente für die Dopamin-Produktion. Sonnenlicht. Rausgehen, Tageslicht ins Gesicht, Bewegung an der frischen Luft. Das reguliert Deinen zirkadianen Rhythmus und unterstützt die Dopaminproduktion auf natürlichem Weg. Und reduziere Deine Gesamtstimulation. Ryan Soave, Suchtexperte und klinischer Leiter bei Guardian Recovery, beobachtet bei Jugendlichen in Behandlungszentren: Wenn man ihnen das Handy, Social Media und Videospiele wegnimmt, sieht man nach drei bis vier Wochen einen komplett anderen Menschen. Die kommen rein – extrem dysreguliert, agitiert, reaktiv – und nach einem Monat ohne digitale Stimulation sind sie ruhig, reguliert, präsent. Pornos sind oft nur die Spitze eines grösseren Stimulationsproblems. Und der vielleicht wichtigste Punkt: Rede darüber. Eli Nash zitiert die Schamforscherin Brené Brown: Scham ist die Angst, dass man nicht würdig ist, verbunden zu sein. Die Scham rund um Pornosucht ist schlimmer als bei jeder anderen Sucht. Nash sagt: Ich habe noch nie einen einzigen Menschen getroffen, der öffentlich gesagt hat, dass er von Pornosucht frei geworden ist. Bei Alkohol kriegst Du Respekt für Nüchternheit. Bei Pornos kriegst Du Stille. Charlie Kirk hat gesagt: Fünfzig Prozent der Pastoren in den USA schauen aktiv Pornos. Wenn die Hälfte der moralischen Autoritäten damit kämpft, dann ist es eine Epidemie. Geheimnisse machen krank. Der Moment, in dem Du einem Freund, einem Mentor oder einem Therapeuten sagst, was los ist – das ist der Moment, in dem die Scham ihre Macht verliert. Nash hat nach seinem TEDx-Talk eine Nachricht bekommen: Seit unserem Gespräch bin ich drei Monate clean. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine Woche geschafft habe. Eine einzige ehrliche Konversation hat mehr bewirkt als Jahre an Willenskraft. Was Du mitnehmen kannstPornografie ist ein Superstimulus, der Dein Dopaminsystem kapert. Es verändert physisch, wie Dein Gehirn funktioniert – Deine Rezeptoren, Dein Frontallappen, Deine Fähigkeit, mit einer echten Person intim zu sein. Die Forschung ist eindeutig: gleiche Hirnmuster wie bei harten Drogen, messbare Eskalation, ein Zusammenhang mit Aggression und Beziehungsunfähigkeit. Dreissig bis sechzig Tage Abstinenz können Dein Gehirn resetten. Die ersten zehn Tage sind die Hölle. Ab der dritten Woche fängt es an, sich zu lichten. Wenn der Drang kommt: Setz Dich hin und langweile Dich. Bleib im Konflikt. Nimm das Handy aus dem Schlafzimmer. Pack Deinen Tag voll. Beweg Dich. Schlaf genug. Und rede mit jemandem darüber. Frag Dich nicht: Warum kann ich nicht aufhören? Frag Dich: Warum greife ich danach? Die Antwort auf diese Frage ist der Anfang von allem. Wenn Du tiefer einsteigen willst, lies “Your Brain on Porn” von Gary Wilson oder “Dopamine Nation” von Anna Lembke. Alles Liebe, Nicola Catch The Zenith PodcastIch bin Nicola Flückiger und Gastgeber des Schweizer Podcasts Catch The Zenith, mit über 200 erschienenen Episoden. Dich erwarten Gespräche und persönliche Gedanken über Verantwortung, Liebe und Tradition, die Dich Deinem Zenit näherbringen. Jeden Montag erscheint eine neue Folge – unter anderem mit dem ehemals jüngsten Professor der Welt, dem Enkel des Erfinders des Birchermüeslis, dem Gründer eines Milliarden-Unternehmens oder einem Multimillionär-Investor. Dieser Podcast ist mein Versuch, jungen Schweizer Männern zu produktiver Grosszügigkeit zu verhelfen, mich selbst und die Welt besser zu verstehen und die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Meinungen zu fördern. Du kannst den Podcast auf YouTube, Apple Podcasts, Spotify oder direkt auf der Website anhören. Episode dieser Woche #251: Elon Musk’s Denkmodell hinter Tesla, SpaceX & PayPal
Was ich diese Woche gelernt habeElon Musks Abneigung gegen Akronyme Elon Musk hat bei Tesla und SpaceX eine strikte Regel: Keine unnötigen Akronyme. In seiner berühmten E-Mail „Acronyms Seriously Suck“ macht er deutlich, warum:
Sein Rat: Wenn man ein Wort erst erklären muss, sollte es kein Akronym sein. Wer klar kommuniziert, arbeitet schneller. Zitat der Woche“Ein „Computer“ war früher ein Berufsbezeichnung. Dann wurde ein Computer zu einem Ding, das Menschen benutzen. Jetzt wird ein Computer zu einem Ding, das Computer benutzen.” — Naval Ravikant
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