ZENIT SONNTAG

Lieber Leser,

vor Kurzem habe ich mit jemandem über Identität gesprochen.

Diese Person kommt ursprünglich nicht aus der Schweiz, hat aber den Grossteil seines Lebens hier verbracht. Und trotzdem sieht er sich bis heute weder wirklich als Schweizer noch als Teil des Landes, aus dem er ursprünglich stammt. Jedoch eher noch mehr als Teil seines Ursprungslandes.

Dieses Gespräch ist mir hängen geblieben.

Denn mir ist dabei etwas aufgefallen, das man in der Schweiz immer wieder spürt: Ein gesunder Stolz auf die eigene Nation fehlt teilweise. Und zwar unabhängig davon, wo jemand herkommt. Oft bleibt die frühere Herkunft stark identitätsstiftend, selbst nach vielen Jahren. Manchmal endet das sogar in einer Art Überkompensation.

Dabei glaube ich, dass genau hier etwas Wichtiges verloren geht.

Eine Nation, verstanden als Gemeinschaft mit geteilten Prinzipien, Werten und Gepflogenheiten, kann Menschen verbinden. Sie kann Orientierung geben. Sie kann Bedeutung stiften. Das muss nichts mit übermässigem oder blindem Patriotismus zu tun haben. Im Gegenteil. Ein gesunder Patriotismus ist ruhig, stabil und integrierend.

Es geht darum, eine gemeinsame Flagge zu haben, auf die man stolz sein kann.

Darum, die Kultur eines Landes wirklich verstehen zu wollen.

Die Eigenheiten, die Gepflogenheiten, die Dinge, die man hier so macht.

Ein Zitat aus dem All-In-Podcast von Unternehmer und Investor Chamath Palihapitiya (in Sri Lanka geboren, einige Zeit in Kanada gelebt und seit den späten 1990er Jahren in den USA ansässig), bringt diesen Gedanken sehr gut auf den Punkt und erklärt, warum eine gemeinsame Identität und geteilte Prinzipien für eine Nation so wichtig sind:

“Ich halte das für sehr wichtig, und ich spreche hier als Einwanderer.

Ich will Amerikaner sein.

Ich sehe mich nicht als kanadisch-amerikanisch.

Ich sehe mich nicht als sri-lankisch-kanadisch-amerikanisch.

Ich sehe mich als Amerikaner.

Ich möchte die Werte dieses Landes aufnehmen und widerspiegeln.

Ich möchte die Verfassung dieses Landes kennen und in der Lage sein, mit Dir darüber zu sprechen.

Ich möchte das kulturelle Erbe dieses Landes feiern können.

Das ist Teil des Übereinkommens, das ich meiner Meinung nach eingehe.

Und ich glaube, das ist etwas Wichtiges, das wir alle verloren haben, wenn wir ständig in unserer traditionellen Kleidung herumlaufen (damit meint er seine ursprüngliche Nation) und dabei verloren geht, dass Länder durch ein gemeinsames Set an Prinzipien und Werten gross werden, und wir einen Weg finden müssen, genau das zu tun.

Als ich aus Kanada eingewandert bin, kann ich Dir sagen, dass Kanada den entgegengesetzten Ansatz verfolgt hat.

Wir nannten Amerika früher abwertend einen „Schmelztiegel“, sogar in Schulbüchern, und die Schulbücher bezeichneten Kanada als „Toss Salad“.

Und wir feierten, dass diese Form des Multikulturalismus besser sei.

Doch wenn man die Uhr 20 Jahre vorspult, hat das nur Verwirrung geschaffen.

Zum Beispiel: Wenn Du in Kanada zur Schule gehst, gibt es gefühlt unzählige Feiertage.

Jede Kultur bekommt ihren eigenen freien Tag.

Und was passiert dann plötzlich?

Die Kinder werden nicht mehr richtig unterrichtet, weil jedes noch so kleine Herkunftsland in irgendeiner Form anerkannt werden muss.

Auf einmal verliert man diese sehr grundlegende Form von Basisorganisation.

Das ist nur ein Beispiel.

Die Formulare sind in 50 Sprachen.

All das erzeugt Chaos.

Es hätte Englisch und Französisch sein sollen, denn das sind die beiden Amtssprachen des Landes.

All diese Umwege, um das Erbe aller zu feiern, verwirren das Land und bremsen es aus.

Und man sieht es im BIP.

Man sieht es bei den ausländischen Direktinvestitionen, FDI.

Man sieht es.

Die eine Sache, auf die wir uns einigen müssen, ist also, dass es eine amerikanische Kultur und einen amerikanischen Wertekern gibt, den wir nicht verlieren sollten, und dass wir die Menschen, die hier sein wollen, bitten sollten, ihn anzunehmen.

Wir alle haben ihn angenommen.

Sacks hat ihn angenommen.

Wenn Du mit den Eltern von Sacks sprichst, haben sie ihn angenommen.

Wenn Du mit Friedberg sprichst, seine Eltern ebenso.

Wir kamen alle aus unterschiedlichen Ländern, aber im Kern sind wir Amerikaner.”

Alles Liebe,

Nicola

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Catch The Zenith Podcast

Ich bin Nicola Flückiger und Gastgeber des Schweizer Podcasts Catch The Zenith, mit über 200 erschienenen Episoden.

Dich erwarten Gespräche und persönliche Gedanken über Verantwortung, Liebe und Tradition, die Dich Deinem Zenit näherbringen.

Jeden Montag erscheint eine neue Folge – unter anderem mit dem ehemals jüngsten Professor der Welt, dem Enkel des Erfinders des Birchermüeslis, dem Gründer eines Milliarden-Unternehmens oder einem Multimillionär-Investor.

Dieser Podcast ist mein Versuch, jungen Schweizer Männern zu produktiver Grosszügigkeit zu verhelfen, mich selbst und die Welt besser zu verstehen und die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Meinungen zu fördern.

Du kannst den Podcast auf YouTube, Apple Podcasts, Spotify oder direkt auf der Website anhören.

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Episode dieser Woche

#234: Effizient mit KI arbeiten – Julian Elsässer. Höre sie hier.

Was ich diese Woche gelernt habe

Zeit und Prioritäten

“Könnte man aus der Art, wie Sie Ihre Zeit einteilen, ableiten, was Ihnen wichtig ist?” – Rolf Dobelli

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Zitat der Woche

„Wir scheinen immer näher an eine Situation zu kommen, in der niemand für das verantwortlich ist, was er selbst getan hat, aber wir alle für das verantwortlich sind, was jemand anderes getan hat.“ — Thomas Sowell

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Videoempfehlungen:

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