ZENIT SONNTAG

Lieber Leser,

heute möchte ich über Ideologien schreiben und darüber, wie sie Dein Denken als junger Schweizer negativ beeinflussen.

Ideologien definiere ich hier als ein Rahmenwerk, das versucht, mehr oder weniger alles auf diesem Planeten und in unserem Leben durch eine Linse zu erklären.

Beispielsweise geht alles nur um Macht und Geld und darum, wer wen unterdrückt und ausbeutet.

Jedoch mein Leben und die Welt aus einer einzigen Perspektive zu betrachten, hat sich bei mir nicht bewährt.

Wieso? Die Welt ist viel zu komplex, um sämtliches menschliche Verhalten durch eine Ideologie, ein Rahmenwerk oder eine Weltanschaung zu erklären.

Um zum Beispiel von vorhin zurückzukehren: Menschen können neben Machambitionen auch motiviert sein, anderen Menschen zu helfen, Arbeitsstellen zu schaffen oder technologische Herausforderungen zu lösen. Es wäre nichts weiter als unzulängliches Denken, weitere Motivationsfaktoren nicht einzubinden.

„Ideologien sind Ersatz für wahres Wissen, und Ideologen sind immer gefährlich, wenn sie an die Macht kommen, weil ein einfältiger Alleswisser-Ansatz der Komplexität des Daseins nicht gewachsen ist.“ — Jordan B. Peterson

Interessanterweise kommen solche Ideologien, die sich ein Phänomen herauspicken, bei den Menschen unglaublich gut an. Eine mögliche Erklärung ist, dass ein Problem klar benannt ist und die Lösung einhergehend offensichtlich ist. Oder anders: Wir müssen nur das Problem beseitigen, um zu einer Lösung zu gelangen.

Aktuelle Phänomene, die sich Ideologen herauspicken, sind: “alles wegen Trump“, “alles wegen Elon“, “alles wegen den Linken“, “alles wegen den Rechten“, “alles wegen Kapitalismus“, “alles wegen Feminismus“ oder “alles wegen Kommunismus“.

Zu denken, dass alles auf einen einzigen Faktor, eine Variable oder generell eine Sache heruntergebrochen werden kann, nenne ich Monodenken (ursprünglich von Chris Williamson).

Monodenken bedeutet auch: Wenn ich eine Deiner Meinungen kenne und daraus alle anderen Überzeugungen von Dir ableiten kann, dann fällst Du ziemlich sicher in die Kategorie eines Monodenkers – also jemand, der nicht besonders solide denkt.

Beispielsweise: Wenn ich weiss, wie Du zum Thema Feminismus stehst, und daraus automatisch schliessen kann, was Du über den Klimawandel, Kriege, LGBTQ oder Gleichberechtigung denkst, dann ist das weniger Denken, sondern vielmehr ein Muster. Oder wenn ich weiss, wie Du zu Trump stehst und daraus ablesen kann, wie Du zu Themen wie Immigration, Kriege und Waffengesetze stehst, besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass Du nicht differenziert denkst.

Weiterführend kann ein Ideologe alles erklären, was auf diesem Planeten an Gutem oder Schlechtem passiert, durch diese eine Linse. Dabei fühlt er sich meist moralisch überlegen, denn er hat gemäss seiner Ansicht die “richtige” Seite gewählt und vertritt das Gute. Dabei kennt er klar seine Gegner. Er weiss, wen er bekämpfen muss.

„Sobald man die Welt durch eine Ideologie betrachtet, ist man erledigt. Keine Realität passt in eine Ideologie. Das Leben ist darüber hinaus.“ — Bruce Lee

Ideologen neigen auch dazu, ihre Doktrin Schritt für Schritt durchzusetzen. Sie fangen klein an und schreiten so weit voran, bis es den Leuten zu viel wird. Sie überschreiten nur ein wenig die Grenze. Dann warten sie und gehen wieder ein kleines Schrittchen weiter und gehen wieder so weit, bis es den Leuten unangenehm wird. Aber sie sind nun ein wenig weiter als zu Beginn beim Verankern ihrer Ideologie in der Gesellschaft. Das ist der Grund, warum manche Menschen eines Tages aufwachen und denken, wie weit sie von dem, was sie oder die Gesellschaft einmal waren, nun entfernt sind. Gemäss meiner Analyse funktioniert so auch der Totalitarismus.

Der inkrementelle Prozess

Die meisten großen Übel kommen nicht plötzlich, sondern durch kleine, schrittweise Veränderungen – so wie der Frosch, der im langsam erhitzten Wasser nicht merkt, wie er gekocht wird.

Ein Buch, das diesen inkrementellen, nach vorne schreitenden Prozess beschreibt, ist „Ganz normale Männer“ von Christopher R. Browning. Es geht dabei um mittelalte deutsche Männer, die vor Hitlers Machtübernahme aufgewachsen und erzogen wurden, also keine indoktrinierten Nazis von klein auf waren. Diese Männer waren Polizisten. Als die Nazis Polen besetzten und ihre Art von “Ordnung” durchsetzten, holten sie Polizisten rein, dieses Bataillon aus mittelalten Polizisten.

Der Kommandant des Bataillons war gemäss den Berichten ein ziemlich anständiger Kerl. Er sagte den Polizisten: “Weil Krieg ist, werdet ihr wahrscheinlich ziemlich schreckliche Dinge tun müssen, aber wenn ihr denkt, ihr schafft das nicht, könnt ihr nach Hause gehen.” Es gab also keinen Zwang, wo man Befehlen gehorchen musste. Oder anders gesagt, meinte er: “Das wird furchtbar, aber ihr könnt aussteigen.”

Aber die Männer dachten: “Ich lasse doch meine Kameraden nicht allein die Drecksarbeit machen.“ Das ist auf perverse Weise fast eine Tugend – Kameradschaft.

Und dann beschreibt Browning Schritt für Schritt, wie sie von normalen Polizisten zu Typen wurden, die nackte schwangere Frauen auf Felder führten und ihnen in den Hinterkopf schossen. Während des gesamten Wandlungsprozesses waren sie körperlich krank, ihnen war übel.

Dieser Transformationsprozess fing so an: Sie haben jüdische Männer zwischen 16 und 65 zusammengetrieben, na ja, das konnte im Krieg noch irgendwie nachvollzogen werden von den Männern, weil Du ja in einer Ausnahmesituation bist. Dann sperrten sie sie in Stadien. Dann mussten sie einige erschiessen. Dann mussten sie sie auf Viehwaggons laden… Es war ein Schritt nach dem anderen. Die Kerle hatten eine furchtbare Zeit dabei, aber sie hörten nicht auf. Sie hörten einfach nicht auf.

Das Buch zeigt somit, wie eine schrittweise Desensibilisierung normale Männer zu absoluten Monstern machen kann, die unbeschreiblich viele Juden in Polen erschossen und in Vernichtungslager deportiert haben.

Browning widerlegt damit die Vorstellung, dass solche Taten nur von „Monstern“ begangen werden, die schon “Monster“ waren. Normale Menschen können durch eine schrittweise Heranführung und wiederholtes Überschreiten von Grenzen abscheulichste Taten begehen.

Mit diesem unbeschreiblich abschäulichen Beispiel wollte ich aufzeigen, wie eine Gesellschaft durch kleine Schritte in ein Desaster geführt werden kann. Damit setze ich die heutige Zeit nicht mit der Nazizeit gleich. Stattdessen wollte ich Dir das Muster zeigen, das extreme Ideologen nutzen, um ihre Weltanschauung durchzudrücken. Und so bist Du wohlmöglich besser gewadment, wenn Du so etwas in der Welt siehst.

Wieso verharren wir in Ideologien?

Ich denke, das menschliche Gehirn liebt einfache Antworten auf komplexe Fragen. Dies kostet weniger Energie als der harte, mühsame Weg, eine Herausforderung aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Je mehr wir tief in eine Ideologie eintauchen, Bücher lesen, Podcasts hören und News konsumieren, desto mehr bestärken wir uns in einer gewissen Denkweise oder beweisen uns einmal mehr, dass diese die “richtige” Seite der Geschichte ist.

Je mehr wir eintauchen, desto stärker identifizieren wir uns auch damit. Plötzlich fühlen wir uns bedroht, sobald jemand unsere Überzeugungen infrage stellt. Wir werden stark emotional und haben Stress. Es ist, als hätte uns jemand mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen. Ich selbst habe mich auch schon dabei ertappt.

In diesem Zusammenhang ein Zitat von Dan Koe:

“Da die meisten Menschen ihre Emotionen nicht daraufhin prüfen, ob sie wahr oder berechtigt sind, bleiben sie oft in Echokammern stecken und verhärten ihre Positionen weiter, selbst wenn diese ihnen selbst und anderen schaden.”

Hier kommt noch der Purity-Effekt ins Spiel. Oder anders gesagt: Wer ist der „Reinste“ im Stamm? Wenn Ideologien von einer grossen Menschenmasse aufgenommen und vorangetrieben werden, reicht es irgendwann nicht mehr nur diese Ideologie zu vertreten, sondern jeder will unter Beweis stellen, dass er auch “richtig” dazugehört. Mehr und mehr wollen die Leute signalisieren, dass sie die radikalsten, loyalsten sind oder am stärksten gegen die andere Seite schiessen. Als Konsequenz wird die ganze ideologische Gruppe extremer. Wer versucht zu differenzieren oder die Gegenseite minimal zu verstehen, gerät schnell unter Verdacht:

  • „Bist Du etwa weich geworden?“
  • „Bist Du ein Verräter?“
  • „Spielst Du heimlich für die anderen?“

Damit stirbt jede echte Debatte im Stamm, weil niemand mehr riskieren will, seine Zugehörigkeit zu verlieren. Und so werden wir engstirniger und intoleranter gegenüber anderen Perspektiven.

Wie Du aus Ideologien ausbrichst

„Ideologisches Denken zeichnet sich durch starre Bindung an eine Doktrin und Widerstand gegen Beweise aus, während flexibles Denken bedeutet, Überzeugungen auf Basis neuer Informationen zu aktualisieren.“ — Leor Zmigrod

Nun wissen wir, dass Ideologien die Komplexität des Lebens nicht vollständig abdecken und, dass durch den schrittweisen Prozess selbst normale Menschen zum Begehen von Gräueltaten gebracht werden können. Steigen wir nun in potenzielle Lösungen ein, um aus dem ideologischen Dogma auszubrechen.

1. Gib Ideologien auf

Dr. Jordan B. Peterson legt in Regel 6 seines Buches „Beyond Order“ dar, dass wir Ideologien aufgeben sollten. Ideologien vereinfachen die komplexe Realität gefährlich stark, reduzieren alles auf eine einzige Erklärung (z. B. Macht, Unterdrückung, Kapitalismus) und verführen uns, die Schuld immer nur bei anderen zu suchen.

Stattdessen sollen wir sie aufgeben, die volle Komplexität der Welt anerkennen und vor allem persönliche Verantwortung übernehmen, anstatt sich hinter starren Weltbildern zu verstecken. Der Kern liegt in der differenzierten Sicht auf eine Sache.

2. Wertebasiert leben

Nun, wenn wir uns an keinen Ideologien bedienen sollen und somit keine Weltanschaung im Zentrum steht, hilft es, einen anderen Weg zu wählen, um durch das Leben zu navigieren. Kurz: werte- bzw. prinzipienbasiert zu leben.

Beispielsweise hat der Schweizer Friedensforscher Dr. Daniele Ganser die Werte Mut, Liebe und Wahrheit als leitende Prinzipien für sein Verhalten definiert. Sich an Werten zu orientieren kann helfen, eine Sache im Leben nicht toxisch und im Übermass ins Zentrum zu stellen. Und so kann eine ungesunde Bindung dazu vermieden werden.

3. Sag die Wahrheit

Wenn Du sorgfältig nachdenkst und sagst, was Du als wahr empfindest, wirst Du meist feststellen, dass Du zu einem Thema verschiedene Perspektiven siehst und dass nicht alles schwarz-weiss ist.

Indem Du sagst, was Du denkst, ohne Deiner Ideologengruppe gefallen zu wollen, brichst Du möglicherweise aus dem Gefängnis des starren Denkens.

4. Verschiedene Seiten anhören

Wenn Du Dich ertappst, in ein Denksilo zu verfallen, weil Dein Social-Media-Algo Dir zu viele einseitige Beiträge zugespielt hat, schaue Dir Inhalte der gegenüberliegenden Seite an.

Hast Du zu viel konservativen Content von Ben Shapiro, Andrew Tate oder Tucker Carlson konsumiert, dann gehe auf die andere Seite und höre Dir Sam Harris, Slavoj Žižek oder Wolfgang Schmitt an.

5. Etwas Unerwartetes sagen

Breche aus dem Monodenken aus, indem Du beispielsweise etwas gemäss Deiner Ideologie gut findest und etwas anderes aus Deinem Camp schlecht findest. Sage etwas, das aus dem Muster ausbricht.

Beispielsweise kannst Du den Klimawandel ernst nehmen und Dich für eine grüne Welt einsetzen und wiederum eine traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau gut finden.

Ich persönlich präferiere ein traditionelles Rollenbild bei Frau und Mann (eher konservativ) und gleichzeitig mag ich es, in einem Startup zu arbeiten (eher progressiv).

6. Perspektiven wechseln

Einige Menschen stecken in ihrer eigenen Wahrnehmung fest. Das ist Deine persönliche, subjektive Interpretation der Welt, die nur Dir gehört und meistens zu Streit und Missverständnissen führt, weil Du versuchst, anderen Deine Sicht aufzuzwingen.

Der Game-Changer-Trick aus der Spionage: Wechsle in die Perspektive eines anderen. Schlüpfe in ihre Denkweise, verstehe, was sie wirklich fühlen, fürchten oder wollen.

So denkst Du plötzlich wie sie, hast überlegene Infos, kannst Argumente verstehen, besser verkaufen, verhandeln oder Beziehungen aufbauen, während alle anderen noch in ihrer Blase gefangen sind.

7. News ignorieren

Komplett die News zu ignorieren und stattdessen Selbsthilfe-Bücher zu lesen, half mir, die Menschheit besser zu verstehen. Ich dachte lange, ich müsse die News lesen, um auf dem neuesten Stand zu sein. Doch durch das Bücherlesen bin ich noch viel mehr up-to-date, weil ich so die aktuellen Geschehnisse aus einer Verhaltensperspektive besser nachvollziehen kann. Ich verstehe, warum Menschen so handeln, wie sie handeln. Zudem macht es mich ruhiger und fokussierter.

Der allgemeine Einwand, der hier kommt: “Du hast kein Mitgefühl, wenn Du keine News liest.“ Das verstehe ich, doch sehe das anders. Ich habe sehr wohl Mitgefühl mit den Menschen, die Schreckliches in Kriegen, Unfällen, Anschlägen etc. erleben mussten. Doch wenn ich den ganzen Tag über Negatives lese, fühle ich mich schlecht.

Beispielsweise wenn ein Autounfall passiert, tut mir das sehr leid, doch ich kann jetzt nichts mehr daran ändern. Es ist ausser meiner Kontrolle. Wenn ich mich auf das fokussiere, was unter meiner Kontrolle ist, dann fühle ich mich besser. Zudem denke ich, dass ich ein besserer Mensch bin, verglichen damit, wenn ich nur Negatives lese. Den ganzen Tag über schreckliche Ereignisse zu lesen, ist zwar stimulierend, aber bei mir nicht wohlbefindungsfördernd.

8. Keine Meinung haben

Social Media und aktuelle ideologische Extreme verleiten dazu, zu allem etwas sagen zu müssen. Als würdest Du einen subtilen Druck verspüren, zu sagen, dass Du klar dagegen oder dafür bist. Tust Du das nicht, bist Du – obwohl Du nichts dazu gesagt hast – direkt im Camp der “schlechten“ Gegenseite.

(Und selbst wenn Du es tust, aber das Falsche sagst oder der falschen Gruppe angehörst, bist Du auch schon exkludiert aus dem Camp der angeblich “Guten”. Das ist möglicherweise auch ein Grund, weshalb Trump wiedergewählt wurde. Die Gegenseite exkludierte zunehmend Leute, die der falschen Gruppe angehörten oder das Falsche gesagt hatten. Ein effektiver Weg, seine Wähler zu verlieren.)

Der eigentliche Punkt ist, dass wir verleitet sind, zu allem und jedem etwas zu sagen, auch zu Themen, bei denen wir schlicht und einfach zu wenig wissen. Unsere Kapazität ist begrenzt, und wir können im Leben nur in wenige Themen so richtig tief gehen. Darum ist mein Vorschlag: Bei vielen Themen einfach den Rand zu halten und einzugestehen, dass Du zu wenig weisst.

Es ist jedoch verlockend, nach 2 Instagram-Reels eine starke Meinung zu vertreten, obschon Du eigentlich gar nichts bis wenig weisst. Oder ähnlich, einen Artikel zu lesen und dann wie ein Jünger und fast schon obrigkeitsgetreu alles genauso zu vertreten, wie es im Artikel stand – ohne zu überlegen, dass es auch eine andere Perspektive geben könnte.

Zusammengefasst: Ab und zu ist es besser, nichts zu sagen, als vieles zu allem zu sagen ohne genügend Wissen. Und damit meine ich nicht, dass wir nicht zusammen über verschiedene Themen sprechen können. Vielmehr bewusster sein, wann wir etwas zum Gespräch beitragen.

9. Themen picken

Unsere Kapazität ist begrenzt, um Themen wirklich tiefgreifend zu verstehen. Darum, aufbauend auf Punkt 8 “Keine Meinung haben“, biete ich an, sich ein paar wenige Themen herauszupicken und dort sehr tief zu gehen. Bücher lesen, Podcasts hören, Artikel konsumieren, in diesem Bereich zu arbeiten und Debatten zu führen können helfen, mehr Verständnis aufzubauen.

Beispielsweise kannst Du tief gehen bei den Themen Persönlichkeitseigenschaften und deren Veränderung bei Männern, die Dynamik zwischen Mann und Frau in einer Liebesbeziehung oder die Geschichte der USA. Der Punkt ist, Du folgst Deinen Interessen und gehst dorthin, wo es Dich hinbringt.

Wiederum bei Themen, die Dich interessieren, Du Dir aber nicht die Zeit nehmen willst, super tief zu gehen, bietet es sich an, die Top-2-Experten rauszusuchen – die vielleicht entgegengesetzte Ansichten haben – und sich beide Seiten der Medaille anzuhören.

Beispielsweise bei der Diskussion, ob Menschen in der Lage sind, mit ihren eigenen Werten aufzukommen, könntest Du Dir Sam Harris anhören und auf der anderen Seite Dr. Jordan Peterson.

10. Linke und rechte Seite aktivieren

Wir Menschen brauchen unsere progressive, linke Seite, um Neues zu schaffen. Und die konservative, rechte Seite, um die neu geschaffene Sache zu wiederholen. Beispielsweise wenn Du in Deinem Skiresort ein neues Restaurant suchst, benötigst Du Deine linke Seite. Wiederum: Beim wiederholten Dort-Hingehen kommt die rechte Seite ins Spiel.

So erlernen wir auch Gewohnheiten. Wir gehen zum ersten Mal ins Gym. Wir machen also etwas Neues (linke Seite). Dann, wenn wir die Gewohnheit aufbauen, wiederholt ins Gym zu gehen, müssen wir etwas aufrechterhalten (rechte Seite). Da wir laufend im Gym besser werden wollen, müssen wir die Ausführung anders machen (linke Seite) und dann wieder verinnerlichen und wiederholen (rechte Seite).

Somit sind die progressiven und konservativen Seiten in uns essenziell für ein gutes Leben. Dies zu erkennen, hilft mir nicht in ein linkes oder rechtes Denksilo zu verfallen, denn beides ist hilfreich.

Übrigens, die Begriffe „links“ und „rechts“ in der Politik stammen aus der Französischen Revolution von 1789. In der Nationalversammlung sassen die Abgeordneten, die den König stürzen, eine Republik schaffen und mehr Gleichheit wollten, links vom Präsidenten – während die konservativen, königstreuen und traditionsverbundenen Kräfte rechts sassen. Daraus entwickelte sich die bis heute geltende politische Einteilung: links = Veränderung, Gleichheit, Fortschritt; rechts = Tradition, Ordnung, Hierarchie.

11. Verstehen und trotzdem anders handeln

Stephen Covey legt in seinem Buch “Die 7 Wege zur Effektivität“ dar, dass wir in Interaktionen mit Menschen zuerst verstehen sollen, bevor wir uns selbst verständigen. Der Grund dafür ist zweiteilig:

1) So bekommen wir mehr Kontext und können die Situation der anderen Person besser verstehen und

2) eine Person ist meist empfänglicher für einen Ratschlag oder eine Beurteilung, wenn der Gesprächspartner sich zuerst die Mühe gemacht hat, die andere Perspektive zu verstehen.

Wiederum um uns vor Ideologien zu schützen, denke ich, helfen das Verstehen, die Empathie und das Einfühlsamkeitsvermögen. Es gibt uns die Möglichkeit, etwas nachvollziehen zu können, wenn wir uns auf das Verstehen einlassen.

Das Schöne dabei: So können wir etwas nachvollziehen und trotzdem eine andere Ansicht zu einem Thema haben und sogar anders handeln, als eine Person möglicherweise für richtig hält.

Beispielsweise können wir so nachvollziehen, wieso jemand nicht mehr nur die männliche Form verwendet, wenn Mann und Frau beschrieben werden, sondern auch die weibliche (bspw. Handerwerker und Handwerkerinnen). Und trotzdem können wir selbst immer noch die männliche Form verwenden, wenn wir denken, dass das mehr Sinn ergibt.

Konklusion

„Ein ideologisches Gehirn ist ein Gehirn, das durch eine starre Ideologie tief indoktriniert wurde – ein Gehirn, das sich möglicherweise physisch und biologisch verändert hat, weil es sich in eine dogmatische, rigide Lehre versenkt hat.“ — Leor Zmigrod

Es ist verlockend, zu einer simplen Weltanschauung zu gelangen. Nur eine Ideologie als das Einzige Wahre anzuschauen. Doch indem Du Ideologien aufgibst und prinzipienbasiert durchs Leben schreitest, schützt Du Dich vor einseitigem Denken. Du schützt Dich vor der allgegenwärtigen Verführung, einem Camp beizutreten und all seine Denkweisen blind zu übernehmen.

Sage, was Du denkst, Deine Wahrheit. Hör Dir verschiedene Seiten an. Korrigiere Dich, wenn Du falsch liegst. Habe den Mut, aus einem Muster auszubrechen und aufzustehen, wenn es die Welt von Dir abverlangt. Versetze Dich in andere Personen. Verstehe ihre Sicht. Werde ein Experte bei ein paar wenigen Themen. Verschaffe Dir ein differenziertes Bild von Ansichten. Weisst Du zu wenig, dann sage nichts dazu. Handle, so wie Du es für richtig empfindest. Lasse Neues in Dein Leben und halte Dinge aufrecht, wenn sie sich bewährt haben.

Gebe Ideologien auf und orientiere Dich an Deinen Werten.

Alles Liebe,

Nicola

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Catch The Zenith Podcast

Ich bin Nicola Flückiger und Gastgeber des Schweizer Podcasts Catch The Zenith, mit über 200 erschienenen Episoden.

Dich erwarten Gespräche und persönliche Gedanken über Verantwortung, Liebe und Tradition, die Dich Deinem Zenit näherbringen.

Jeden Montag erscheint eine neue Folge – unter anderem mit dem ehemals jüngsten Professor der Welt, dem Enkel des Erfinders des Birchermüeslis, dem Gründer eines Milliarden-Unternehmens oder einem Multimillionär-Investor.

Dieser Podcast ist mein Versuch, jungen Schweizer Männern zu produktiver Grosszügigkeit zu verhelfen, mich selbst und die Welt besser zu verstehen und die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Meinungen zu fördern.

Du kannst den Podcast auf YouTube, Apple Podcasts, Spotify oder direkt auf der Website anhören.

Episode dieser Woche

#243: Warum Menschen Dich nicht mögen, wenn Du zu lieb zu ihnen bist (YouTube, Spotify, Apple)

Was ich diese Woche gelernt habe

DEPRESSION IST OFT NUR:

– KEIN FITNESSSTUDIO

– KEIN SCHLAF

– SCHLECHTES ESSEN

– ZU VIELE TELEFONE

– NULL PURPOSE

Tun Sie Folgendes:

– Iss sauber

– Mehr laufen

– Gewichte heben

– Früher schlafen gehen

– Um 5 Uhr morgens aufwachen

– Morgens fasten

– Trinken Sie Wasser

– Weniger reden

– Hören Sie mehr

– Zeit allein verbringen

– Liebe deine Familie

– Vermeide negative Gedanken.

Dein Leben liegt zu 100% in deiner Verantwortung.

​Von Dear Self auf X.​

Zitat der Woche

„Ideologien nummen unsere direkte Erfahrung der Welt.“
​
— Leor Zmigrod

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Videoempfehlungen:

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