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Lieber Leser, vor ein paar Monaten hatte ich eine intensive Diskussion mit jemandem. Die Person meinte ziemlich überzeugt: „Joe Rogan ist ein Verschwörungstheoretiker.“ (Joe Rogan ist aktuell einer der grössten – wenn nicht der grösste – Podcaster der Welt.) Egal, ob das stimmt oder nicht – das hat meine Neugier geweckt. Also habe ich nachgefragt, nachdem die Person ihren Standpunkt dargelegt hatte: „Wie viele Long-Form-Podcasts hast Du eigentlich von ihm wirklich gehört?“ Die Antwort: keine einzige. Seine gesamte Meinung basierte auf Short-Clips, die er auf Social Media gesehen hatte. Und genau das ist der Punkt. Bevor wir über etwas sprechen oder ein Urteil fällen, sollten wir uns zumindest fragen: Habe ich das minimale Level an Voranalyse gemacht, um überhaupt etwas Fundiertes sagen zu können? Ich rede nicht davon, jedes Detail bis ins letzte Molekül zu verstehen. Aber wenigstens ein Minimum. In diesem Fall: mal eine Folge selbst hören. Ich selbst habe Dutzende Podcasts von Rogan gehört. Und deshalb wusste ich sofort – diese Aussage ist einfach zu simpel (zumindest, denke ich das). Gleichzeitig wünsche ich mir auch, dass wir als Gesellschaft (mich eingeschlossen) wieder öfter sagen: „Dazu habe ich keine Meinung.“ „Ich weiss darüber zu wenig.“ „Ich kann dazu nichts Fundiertes sagen.“ Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist ein Zeichen von Ehrlichkeit und Charakter. Auch mir fällt es schwer, einzugestehen, wenn ich einfach nichts sagen soll, doch manchmal ist es schlicht die bessere Option, als dann mit leeren Worten einen Standpunkt vertreten zu wollen, der auf löchrigem Fundament steht. Weiterführende Gedanken Somit wollte ich den Punkt machen: Wenn jemand sehr direkt Kritik äussert – an einer Person, Idee oder Institution –, dann lohnt es sich, ruhig nachzufragen: „Wie viel Zeit hast Du investiert, um zu dieser Konklusion zu kommen?“ Beispielsweise, wenn jemand sagt, „Joe Rogan ist ein Verschwörungstheoretiker“, dann frage konkret: „Wie viele seiner Podcasts in voller Länge hast Du wirklich gehört?“ Meine Erfahrung ist, dass Kritik oft auf Annahmen beruht, die veraltet sind oder auf einem 60-Sekunden-Clip, der als Grundlage für eine scharfe Kritik genommen wird. Hier noch eine weitere Geschichte. Als ich während meines Studiums im Fitnesscenter arbeitete, bot ich einem Herrn verschiedene Zeitungen an – darunter auch die Weltwoche. (Die Weltwoche ist ein Schweizer Wochenmagazin.) Als er den Namen hörte, nannte er sie sofort ein „Naziblatt“ oder „rechtsextreme Zeitung“ (ich weiss nicht mehr genau, welches von beidem). Wenn er das so sieht, okay. Aber eine gute Frage von mir wäre gewesen (leider habe ich sie nicht gestellt, da ich noch nicht so weit gedacht habe): „Wie viele Ausgaben haben Sie in diesem Jahr tatsächlich gelesen, um zu dieser Schlussfolgerung zu kommen?“ Meine Vermutung: Er hat lange Zeit keine Ausgabe mehr gelesen oder, schlimmer, noch nie eine gelesen und diese Meinung aufgrund von anderen Zeitungen gebildet. Ich denke, wenn der Herr eine minimale Voranalyse gemacht hätte, dann hätte er gemerkt, dass dort Inhalte von rechts bis links zu finden sind und die Behauptung nicht stimmt. Alles Gute, Nicola Catch The Zenith PodcastIch bin Nicola Flückiger und Gastgeber des Schweizer Podcasts Catch The Zenith, mit über 200 erschienenen Episoden. Dich erwarten Gespräche und persönliche Gedanken über Verantwortung, Liebe und Tradition, die Dich Deinem Zenit näherbringen. Jeden Montag erscheint eine neue Folge – unter anderem mit dem ehemals jüngsten Professor der Welt, dem Enkel des Erfinders des Birchermüeslis, dem Gründer eines Milliarden-Unternehmens oder einem Multimillionär-Investor. Dieser Podcast ist mein Versuch, jungen Schweizer Männern zu produktiver Grosszügigkeit zu verhelfen, mich selbst und die Welt besser zu verstehen und die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Meinungen zu fördern. Du kannst den Podcast auf YouTube, Apple Podcasts, Spotify oder direkt auf der Website anhören. Episode dieser Woche #226: Warum ich wieder auf Deutsch podcasten werde. Höre sie hier.
Was ich diese Woche gelernt habeWas will mein zukünftiges Ich Eine der besten Fragen, die Du Dir bei einer Entscheidung stellen kannst, ist: „Was würde Dein zukünftiges Ich von morgen wollen, dass Du heute tust?“ Zitat der Woche„Denk darüber nach, welchen Preis Du für Nicht-Handeln zahlst. Du steckst bereits in einer kleinen Hölle – und Du weisst ganz genau, dass sie schlimmer wird. Das Problem am Nicht-Handeln ist, dass man blind dafür ist. Geh also nicht davon aus, dass Nicht-Handeln keinen Preis hat.“ — Dr. Jordan B. Peterson
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