ZENIT SONNTAGLieber Leser Du weisst genau, was Du tun solltest. Die Aufgabe steht auf Deiner Liste. Du hast sie vielleicht sogar unterstrichen. Und trotzdem sitzt Du da und tust alles andere. Du räumst auf, checkst Nachrichten, machst Dir einen Kaffee. Alles fühlt sich dringender an als das eine Ding, das wirklich zählt. Aufschieben hat Gründe. Meistens drei. Die Aufgabe fühlt sich zu gross anDu schaust auf die Aufgabe und siehst einen Berg. Eine Seminararbeit. Ein Projekt auf der Arbeit. Eine Präsentation, die am Montag fertig sein muss. Du weisst, dass es viel Arbeit ist, Du weisst, dass es wichtig ist, und genau das lähmt Dich. Weil Du den ganzen Berg auf einmal siehst, fängst Du gar nicht erst an. Der Ausweg: Zerlege den Berg in Schritte. Schreib Dir auf, was als Erstes passieren muss. Die Seminararbeit beginnt damit, drei Quellen zu öffnen. Die Präsentation beginnt damit, eine leere Folie zu erstellen und den Titel zu schreiben. Das Projekt beginnt mit einer Mail an den Kollegen. Wenn die Schritte immer noch zu gross wirken, brich sie weiter herunter. So weit, bis Du Dir sagst: Das schaffe ich in zehn Minuten. Dann fang mit diesen zehn Minuten an. Meistens bleibst Du länger dran, als Du dachtest. Und jedes Mal, wenn Du einen Schritt abhakst, spürst Du, dass sich etwas bewegt. Du hast Angst zu versagenManche Aufgaben schiebst Du auf, weil sie Dir zu wichtig sind. Du denkst: Ich bin dafür vielleicht zu wenig qualifiziert. Oder: Was, wenn ich es versuche und scheitere? Also fängst Du lieber gar nicht an. Weil eine unerledigte Aufgabe mit der Möglichkeit, dass Du es schaffen könntest, sich besser anfühlt als ein gescheiterter Versuch. Das klingt paradox. Aber genau so funktioniert es. Du schützt Dich vor der Enttäuschung, indem Du Dich vor dem Versuch schützt. Mein Gegenrezept: Mach imperfekte Dinge. Viele imperfekte Dinge. Schreib den ersten Entwurf, auch wenn er schlecht ist. Schick die Bewerbung ab, auch wenn sie Lücken hat. Starte das Gespräch, auch wenn Du Dich unsicher fühlst. Die besten Unternehmer, die ich kenne, haben zehn Sachen ausprobiert, von denen acht gescheitert sind. Die zwei, die funktioniert haben, haben alles verändert. Die Welt steht nach einem Fehlversuch immer noch. Und Du stehst danach klüger da als vorher. Du hast Dein Warum vergessenDie dritte Variante ist die leiseste. Du schiebst auf, und Du weisst selber kaum, warum. Die Aufgabe ist wichtig, Du verstehst das rational, aber Du kommst trotzdem nicht ins Handeln. Meistens fehlt Dir die Verbindung zu dem, wofür Du es eigentlich tust. Bevor Du Dir Vorwürfe machst, halte kurz inne und frag Dich: Warum mache ich das? Das Projekt auf der Arbeit erledigst Du, weil Du irgendwann Verantwortung tragen willst. Die Prüfung lernst Du, weil Dir der Abschluss etwas bedeutet. Die Strategie Deines Unternehmens überarbeitest Du, weil Du langfristig unabhängig sein willst. Wenn Du Dir dieses Warum vor Augen führst, ändert sich die Energie. Die Aufgabe bleibt gleich, aber Dein Zugang dazu wird ein anderer. Was hilftEin paar Werkzeuge, die bei mir funktioniert haben. Die Fünf-Minuten-Regel. Sag Dir: Ich arbeite fünf Minuten daran. Wenn ich danach aufhören will, höre ich auf. Meistens hörst Du nicht auf, weil der Anfang der schwerste Teil war. Setze Dir straffere Deadlines. Das Parkinsonsche Gesetz sagt: Arbeit dehnt sich auf die verfügbare Zeit aus. Wenn Du Dir drei Wochen gibst, brauchst Du drei Wochen. Wenn Du Dir drei Tage gibst, brauchst Du oft drei Tage. Nicht weil Du schlechter arbeitest, sondern weil Du fokussierter arbeitest. Belohne Dich danach. Triff einen Freund, geh spazieren, schau eine Folge von etwas, das Du magst. Die Belohnung verankert das Handeln. Plane Deinen Tag. Nicht vage, sondern konkret. Welche Aufgabe machst Du um neun Uhr, welche um elf. Ein sauber geplanter Tag gibt Dir Klarheit, und Klarheit nimmt dem Aufschieben den Raum. Was bleibtDas nächste Mal, wenn Du Dich dabei erwischst aufzuschieben, geh einen Schritt zurück. Frag Dich: Was hält mich gerade auf? Ist die Aufgabe zu gross? Habe ich Angst zu scheitern? Oder habe ich vergessen, warum ich das Ganze mache? Wenn Du die Antwort kennst, kennst Du auch den nächsten Schritt. Und der nächste Schritt reicht. Alles Liebe, Nicola Catch The Zenith PodcastIch bin Nicola Flückiger und Gastgeber des Schweizer Podcasts Catch The Zenith, mit über 200 erschienenen Episoden. Dich erwarten Gespräche und persönliche Gedanken über Verantwortung, Liebe und Tradition, die Dich Deinem Zenit näherbringen. Jeden Montag erscheint eine neue Folge – unter anderem mit dem ehemals jüngsten Professor der Welt, dem Enkel des Erfinders des Birchermüeslis, dem Gründer eines Milliarden-Unternehmens oder einem Multimillionär-Investor. Dieser Podcast ist mein Versuch, jungen Schweizer Männern zu produktiver Grosszügigkeit zu verhelfen, mich selbst und die Welt besser zu verstehen und die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Meinungen zu fördern. Du kannst den Podcast auf YouTube, Apple Podcasts, Spotify oder direkt auf der Website anhören. Episode dieser Woche #257: Der einfachste Weg, Dein Leben zu ruinieren
Was ich diese Woche gelernt habeEin Learning, auf das ich immer wieder zurückkomme, ist dieses: Wenn Dein Chef Dir eine Deadline auf Freitag setzt, liefere am Donnerstag. Und gehe noch einen Schritt weiter. Füge eine kurze Recherche, eine zusätzliche Idee oder eine Empfehlung hinzu, nach der niemand gefragt hat. Die meisten Menschen erfüllen Erwartungen. Diejenigen, die herausstechen, übertreffen sie. Einige Chancen in meiner Karriere sind entstanden, weil ich versucht habe, etwas mehr zu liefern als erwartet wurde. Nicht, weil es jemand verlangt hat, sondern weil es Ownership zeigt. Eine einfache Regel: Liefere früher. Liefere mehr Wert. Wiederhole es. Zitat der Woche“Wer sein Wissen vermehrt, vermehrt auch sein Leid, und in großer Weisheit steckt großer Kummer.” — Ecclesiastes, i, 18
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